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Volksbühne besetzt

22.09.2017 Pressetext zur transmedialen Theaterinszenierung B 61-12

Beim Intendantenwechsel der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz geht es um mehr als um die Frage nach geeignetem Führungspersonal für ein beliebiges Theater.

Das Theaterhaus ist ein Symbol für die Stadtentwicklung.

Wenn wir die Abwicklung eines widerständigen Ortes nicht hinnehmen, stellen wir damit die Fragen:

Wem gehört die Stadt? In welchen Verhältnissen wollen wir arbeiten, wohnen und wirken? Wie verteidigen wir unsere Vision einer Großstadt, in der sich alle Menschen in gleichwertigen Lebensverhältnissen friedlich entfalten können.

In Berlin lag eine historisch bedingte, einzigartige Situation vor: Im Zentrum der Stadt gab es günstigen bis kostenfreien Raum im Überfluss. Unsere Stadt wurde einst zum Ort der Sehnsucht – attraktiv und lebenswert für freiheitsliebende und kreative Menschen aus aller Welt. Alles erschien möglich. Der kulturelle Sektor avancierte auch aufgrund mangelnder Industrie zu einem der zentralen ökonomischen Träger.

In den 90er Jahren herrschten in Berlin nahezu anarchische Zustände, die unsere Lebensqualität jedoch nicht minderten. Sie waren vielmehr Bedingung für die Entwicklung kultureller Vielfalt.

Doch das Potential verpuffte, denn der Überfluss an Raum wurde nicht mit politischem Willen erhalten. Unsere Stadt wurde vielmehr als Beute dargeboten und der Profitgier schienen keine Grenzen gesetzt. Berlin ist heute ein Weg vorgezeichnet, den schon andere europäische Metropolen beschritten: ein Weg der Verdrängung, ein Weg der Ausgrenzung, ein Weg der Zerschlagung jeglichen Gemeinschaftsgefühls.

Exorbitante Mieten und unsichere Arbeitsverhältnisse führen zu existenzieller Angst, zu Lähmung, Resignation und Isolation. Diese Schockstarre gilt es gemeinsam aufzubrechen!

B 61-12

Mit dieser kollektiven, transmedialen und mimetischen Theaterinszenierung nehmen wir das Theaterhaus in Besitz und erklären es zum Eigentum aller Menschen. Wir öffnen es und stellen es zur allgemeinen Nutzung zur Verfügung.

Wir wenden uns an alle, die sich durch Karrierezwang ihrer selbstbestimmten Zukunft beraubt sehen. Wir wenden uns an diejenigen, die den Schritt aus dem Hamsterrad wagen wollen, um aus dem Reichtum an Alternativen zu schöpfen.

Wir stehen in der Tradition derjenigen Menschen, die dieses Haus vor über 100 Jahren mit ihrem „Arbeitergroschen“ unabhängig finanzierten, bauten und betrieben.

Herzlich laden wir dazu ein, dieses besondere Haus am Rosa-Luxemburg-Platz als große Bühne für die politische Neuverhandlung der Stadtentwicklung, für künstlerische Schöpfung und gestaltende Intervention zu begreifen und zu nutzen.

Es geht um die Wiedergewinnung von öffentlichem Raum in einem Jahrzehnt der Privatisierung und Kommerzialisierung. Allen Beteiligten soll die gleichberechtigte Inanspruchnahme von finanziellen Mitteln zur Umsetzung kurzfristiger und langfristiger Projekte ermöglicht werden. Denn wir folgen dem Grundsatz: Gleiches Geld für gleiche Arbeit.

Staub zu Glitzer verabschiedet sich hiermit

Seit mehr als einem Dreivierteljahr hat ein harter Kern von etwa 40 Personen mit einem Mantel von bis zu 110 Menschen aktiv an dieser Operation mitgewirkt. Ein Atelier diente dabei als Büro und Einsatzzentrale. Größere Versammlungen wurden von unterschiedlichen Institutionen wohlwollend beherbergt. Unser Kollektiv und die Operation Staub zu Glitzer verabschieden sich am heutigen Tag. Staub zu Glitzer ist Geschichte. Ab sofort wird sich im Rahmen dieser transmedialen mimetischen Theaterinszenierung ein neues Kollektiv konstituieren. Wir laden hiermit herzlich ein zur Partizipation.

Insbesondere möchten wir auch das ehemalige künstlerische Personal der Ära-Castorf dazu einladen, sich bei dieser Großinszenierung vielfältig zu engagieren. Bei der Zusammensetzung aller möglichen Gremien gilt ausnahmslos eine Frauenquote von 50%. Positionen bleiben so lange unbesetzt bis die Quote erfüllt werden kann. Das Kollektiv der Volksbühne ist feministisch, antirassistisch und queer und wird zeitnah geeignete Werkzeuge entwickeln zur Vorbeugung von Altersdiskriminierung und zur Gewährleistung von umfänglicher Barrierefreiheit.

Die Ära Castorf

Wir fordern alle ehemaligen Regisseur*innen auf, ihre Repertoire-Stücke nach Möglichkeit in den zukünftigen Spielplan zu integrieren. Wir möchten uns dafür bedanken, dass das Fortführen des Repertoire-Programms unter einer leichtfertig installierten Intendanz verweigert wurde. Wir bitten hiermit ausdrücklich um das Engagement des ehemaligen künstlerischen Personals innerhalb der neuen Strukturen – sporadisch, punktuell oder langfristig.

Unsere Inszenierung ist die transmediale, mimetische und konsequente Weiterführung der Produktionen der Volksbühne Ost der vergangenen Jahrzehnte. Es handelt sich um engagiertes dialektisches Theater 2.0.

Die gesamte aktuelle Mitarbeiterschaft des Hauses wird nach Abstimmung mit der abgelösten Leitung vollständig in die neue hierarchiefreie Struktur integriert. Niemand soll wegen unserer Bewegung existentiellen Ängsten ausgesetzt sein.

Neben einem festen Ensemble für das Haus sollen auch vermehrt freie Theaterinitiativen und Kollektive aus der Stadtgesellschaft, aus Ost, West, Nord und Süd die verschiedenen Bühnen bespielen.

Der Name Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz war, ist und bleibt Programm, denn er steht für die politische Ausrichtung jeglicher Produktion im und um das Haus. An diesem Haus wird die Stadtentwicklung im Speziellen aber auch in ihrem Bezug zur globalen systemischen Entwicklung verhandelt und diskutiert.

Dieses Theater steht für eine mögliche Welt – frei von Nationalismen, frei von militärischer Bedrohung, frei von Ausbeutung und Sklaverei, frei von Rassismus und Geschlechterungerechtigkeit.

Die Volksbühne Ost am Rosa-Luxemburg-Platz stand und steht für eine mögliche klassenlose Gesellschaft, in der alle Menschen in gleichwertigen Lebensverhältnissen in Frieden koexistieren können.

Die Volksbühne steht für Solidarität, gemeinschaftliche Produktion und die Förderung freier, kreativer Arbeit.

Ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Räumlichkeiten

Wir sind uns der Bedeutung dieses denkmalgeschützten Gebäudes bewusst. Wir werden ihn gewissenhaft wahren und schützen und haben bereits umfassende Vorkehrungen getroffen, damit es unter der kollektiven Intendanz zu keinen schädigenden Vorfällen kommen wird.

Wir werden in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten den Lärmschutz, den Brandschutz und den Schutz der Besucher*innen gewährleisten. Dafür bieten wir organisierte und geschulte Organe, die diese Aufgaben übernehmen. Hierzu gehört ein professionelles Awareness-Team, eingewiesene, versierte Bühnen-Techniker*innen, ein Team aus erfahrenen Securitys und Konzepte des respektvollen Miteinanders. Wir treffen hinreichende Vorkehrungen zur Wahrung von Ordnung und Hygiene.
Es wird kein Nagel in die falsche Wand geschlagen, keine Wand beschmiert, kein Holz zerkratzt. Sachbeschädigung werden wir nicht dulden, respektloses Verhalten wird nicht toleriert. Wir sind mit genügend Technik ausgestattet und werden daher die Technik des Hauses nicht nutzen oder gar gefährden.

Zur friedvollen Machtdemonstration nutzen wir das Zentrum des Gebäudes, die Hauptbühne, um dort den originalgetreuen Nachbau des modernsten Atombombentyps B 61-12 künstlerisch zu inszenieren.

Die Volksbühne als Zentrum einer Stadtbewegung

Die Volksbühne ist das neue Zentrum der Anti-Gentrifizierung. Menschen, die von Verdrängung betroffen oder bedroht sind, finden hier eine Community, die sie informiert und in ihrem Widerstand unterstützt. Jegliche Formen von Gewalt und Militanz lehnen wir ab.

Die Volksbühne ist ein friedlicher Ort, an dem gestritten wird, ein Ort des Dissens’ und der Zusammenkunft.

Auf der Homepage unserer Theaterinszenierung B 61-12 finden Sie einen Verfahrensvorschlag für die partizipatorische Gestaltung dieser Inszenierung.

Dazu gehören ein Raum-Zeit-Konzept sowie ein ökonomisches Modellverfahren. Sie dienen dem Theaterkollektiv als Arbeits- und Diskussionsgrundlage. Unsere Ergebnisse tragen wir zu gegebener Zeit bei einer weiteren Pressekonferenz vor.

Das Theater soll als Ort des gesellschaftlichen Experiments erhalten bleiben. Es soll Raum schaffen für Neues und die Bereitschaft fördern künstlerische Risiken einzugehen. Wir wollen spielen, experimentieren und dabei scheitern zu dürfen. Nicht wachsende Publikumszahlen und Profit um jeden Preis sind das Ziel des Stadttheaters, sondern das Schaffen von mimetischen Möglichkeitsräumen.

Wir wollen gemeinsam stadtpolitische und theaterperspektivische Fragen aufwerfen.

Spielplan

Unser Spielplan steht allen zur Partizipation offen. Projekte können angeregt und eingebracht werden. Hierfür sind eigene Ansprechpartner vorgesehen, die Veranstaltungswünsche entgegennehmen. Wir arbeiten mit verschiedenen stadtpolitischen Initiativen und Theaterkollektiven zusammen, wollen ein Parlament der Wohnungslosen etablieren, Podiumsdiskussionen und Lesungen Raum bieten. Bringt euch ein, werdet Teil unseres transmedialen Theaterprojekts! Dieser Ort soll partizipatorisch geschaffen, ausgehandelt und vor allem bespielt werden.

Zur aktuellen Intendanz

Bei unserer performativen Intervention geht es nicht um die Personalie Chris Dercon, sondern um eine Neuaushandlung des Theaters 2.0. Wir kritisieren die Einsetzung Dercons als Intendanten der Volksbühne auf kultur- und  stadtentwicklungspolitischer Ebene. Wir distanzieren uns ausdrücklich von allen Angriffen auf seine Person.
Chris Dercon soll weiterhin die Finanzierung seitens der Landesregierung für sein Projekt am Tempelhofer Flughafen erhalten und dort sein Konzept materialisieren. Die Volksbühne am Rosa- Luxemburg-Platz aber soll für die Dauer unserer Inszenierung vom Kollektiv verwaltet werden. Den bereits für das Haus am Rosa-Luxemburg-Platz verpflichteten Künstler*innen bieten wir an, ihre Produktionen innerhalb der kollektiven Strukturen wie geplant zu verwirklichen. Den Kultursenat fordern wir auf, Chris Dercon eine andere angemessene Wirkstätte zur Verfügung zu stellen.
 
Alle Beteiligten haben in den vergangenen Wochen bereits Gespräche mit Vertreter*innen von Staub zu Glitzer geführt und ihre Verhandlungs- und Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Wir bedanken uns bei den vielen Netzwerken, Kollektiven und Einzelpersonen, die mitgeholfen haben dieses Theaterwagnis zu realisieren.

Wir wünschen uns eine rasche Aufnahme der Verhandlungen.

B61-12

Pressemitteilung für die Demonstration am Samstag 09.09.2017 um 14 Uhr am Oranienplatz „Wem gehört die Stadt? — Gegen hohe Mieten und Zwangsräumungen — Für eine Stadt von Unten”

Armut, Wohnungslosigkeit und hohe Mieten sind als Themen im Wahlkampf angekommen. Erstaunlich spät, wo Verarmung, Entmietung, Modernisierungsstress, Mieterhöhungen und Obdachlosigkeit für immer mehr Menschen vor allem in Großstädten zum alltäglich spürbaren und sichtbaren Problem geworden sind. Lösungen haben die Parteien für diese deutschlandweiten Probleme bisher nicht genannt.

Deshalb gehen am 09.09. Kiezinitiativen, mieten- und stadtpolitischen Gruppen unter dem Motto “Wem gehört die Stadt? — Solidarisch gegen hohe Mieten und Zwangsräumungen — Für die Stadt von Unten“ in Berlin-Kreuzberg und -Neukölln auf die Straße.

Die Demonstrationsroute ist nicht zufällig gewählt. In Kreuzberg und Neukölln bündeln sich zahlreiche Brennpunkte der Aufwertung und Verdrängung. Einige davon werden durch die Demonstration sichtbar gemacht und durch Redebeiträge dokumentiert.
Sa 09.09. um 14 Uhr Demo “Wem gehört die Stadt? — Gegen hohe Mieten und Zwangsräumungen”

Demo header
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„…und die Stadt gehört euch.“, „Berlin bleibt bezahlbar“, diese und andere leere Phrasen bestimmten das Stadtbild Berlins vor einem Jahr. Spätestens seit der brutalen Zwangsräumung des Kiezladens und sozialen Zentrums Friedel54 am 29. Juni 2017 ist klar, dass diese Stadt denen gehören soll, die am meisten bezahlen. Dass dafür Menschen auf die Straße geworfen, schleichend verdrängt, gekündigt, kriminalisiert und verprügelt werden, ist auch unter Rot-Rot-Grün Alltag . Es geht schließlich ums Prinzip. Das „Prinzip Eigentum“ zu schützen um es für die Eigentümer*innen verwertbar zu machen. Dafür scheint auch die neue Koalition im Senat der Garant sein zu wollen. Dass mit den Ausgaben für die Polizeieinsätzen zur Teilräumung der von Geflüchteten besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule und der des Kiezladens F54 ganze Häuser gekauft und Jahresmieten hätten beglichen werden können, unterstreicht noch einmal, wie sehr dieses Prinzip des Eigentums hohe Kosten und Gewalt beinhaltet. Ziel ist es Nachahmer*innen abzuschrecken und Investor*innen anzulocken. Wir denken nicht, dass ein Kreuzchen bei der Bundestagswahl hieran etwas ändert.
Baustopp in der Friedelstraße 44 — Modernisierung ohne Genehmigung

Anfang April bekamen wir die Ankündigung der geplanten energetischen Modernisierung zugestellt. Demnach soll beispielsweise die Miete einer 58 qm großen Wohnung von derzeit 449 Euro Warmmiete um 271 Euro steigen, wie in der Modernisierungsankündigung mitgeteilt. Die Heizkosten betragen monatlich 85 Euro; nach der Sanierung sollen sie um 20 bis 30 Prozent sinken.
Im Klartext: Für die Einsparung von 25 höchstens 30 Euro an Heizkosten sollen wir nach der Sanierung 271 Euro mehr berappen.


Als Verwaltung des Hauses, die auch für die Modernisierung zuständig ist, fungiert die Berliner Gesellschaft für Vermögensverwaltung mbH (BGV) mit Sitz in der Cicerostraße 27 in Berlin-Mitte. Sollten die Eigentümer des Hauses, Yvonne und Stephan Lindow, ihre Pläne durchsetzen können, würde wohl die Mehrheit aus dem Kiez vertrieben, denn eine derartige Mieterhöhung kann kaum jemand in unserem Haus zahlen.
Presseerklärung des Hamburger Netzwerks Recht auf Stadt vom 11.07.2017: Zu den Protesten im Rahmen des G20-Gipfels und der Androhung, die Rote Flora aufzulösen

Wir, die Initiativen aus dem Netzwerk Recht auf Stadt, haben uns in der letzten Woche an zahlreichen Aktionen gegen den G20-Gipfel beteiligt und unseren vielfältigen, kreativen Protest gegen die Politik der Reichen und Mächtigen auf Hamburgs Straßen getragen. Wir haben die Türen unserer sozialen Zentren, Wohnungen, Bauwagenplätze, Kleingärten weit geöffnet, um den Tausenden von Menschen, die nach Hamburg gekommen sind, ihren legitimen und demokratischen Widerspruch zur Politik der G20 zu ermöglichen. Über die ganze Stadt verstreut gab es Oasen, Ruheorte, Infopunkte wie das Centro Sociale, das Gängeviertel, die fux-Kaserne und viele mehr, die in den Tagen des Gipfels zu Orten der Solidarität und des lebendigen Austausches wurden. Mit dem Arrivati-Park wurde am Pferdemarkt ein neuer Ort der Solidarität jenseits der Grenzen nationaler Zugehörigkeit geschaffen.

Diese Orte sind wichtige Ankerpunkte für eine solidarische Stadt von morgen, wie wir sie uns vorstellen.
Menschenwürdige und nachbarschaftliche Wohnverhältnisse schaffen — gegen die weitere Isolierung von geflüchteten Menschen auf dem Tempelhofer Feld!

Stellungnahme der Stadtteilinitiative WEM GEHÖRT KREUZBERG

Als „Tempohomes“ bezeichnet die Berliner Verwaltung die Container, die seit Februar 2017 am Rand des Tempelhofer Feldes aufgebaut werden. Binnen kurzem sollen bis zu 1.120 geflüchtete Menschen aus den Hangars und anderen Notunterkünften in den 976 Containern untergebracht werden. Nach geltendem Baurecht könnten sie dort bis zu 3 Jahren leben.

Trotz scharfer Kritik von Initiativen, Vereinen und Anwohner*innen wurde das Gesetz zum Erhalt des Tempelhofer Feldes (ThF-Gesetz) unter dem rot-schwarzen Senat im Januar 2016 zum Zweck der Errichtung dieser Containeranlage geändert. Das ursprüngliche ThF-Gesetz hatte eine Bebauung grundsätzlich untersagt – auch eine Randbebauung, wie sie jetzt quasi erfolgt. Dennoch soll der Standort bis Dezember 2019 genutzt werden. Die Kosten für diese Containeranlage belaufen sich auf ca. 17 Mio. Euro. Für diesen Betrag könnten laut BUND-Landesgeschäftsführer Tilmann Heuser 100 Zwei-Zimmer-Wohnungen à 54 m² errichtet werden, selbst bei Baukosten von 3 000 € /m².

Die "Tempohomes" sind keine menschenwürdige Unterbringung, sondern Lager.

Statt Wohnungen eine ─ trotz Wachschutz ─ relativ ungeschützte Containeransammlung mit kleinen, beengten Wohneinheiten. Eine Wohneinheit aus 3 Containern für bis zu 4 Menschen: rechts und links ein Zimmer von ca. 13 m²  mit Etagenbetten, Tisch, Stühlen und kleinen Schränken; im mittleren Container Küche und Sanitärbereich. Kaum isoliert wie sie sind, werden sich die Container im Sommer stark aufheizen und im Winter viel Strom zum Heizen brauchen.

Ausweiskontrollen für Bewohner*innen und Besucher*innen bleiben bestehen. Besuch zu empfangen ist nur in extra aufgestellten Gemeinschaftscontainern möglich. 

Bei der diesjährigen öffentlichen Versammlung des Senats „Tempohomes auf dem Tempelhofer Feld“ zitierte eine ehrenamtliche Mitarbeiterin die Bedenken eines Kindes: Der Junge fragte, ob es eine gute Idee sei, Menschen hinter einem Zaun leben zu lassen. Er sagte, er habe Angst, dass er von Joggern, Inline-Skatern oder Spaziergängern angestarrt würde wie ein Tier im Zoo.

So werden geflüchtete Menschen vom städtischen Leben isoliert. Der Kontakt zu Nachbar*innen im Kiez , ein gegenseitiges Kennenlernen, wird weiterhin erschwert.

Auch geflüchtete Menschen brauchen Wohnungen in den Nachbarschaften, Kiezen und Stadtteilen. In Kreuzberg gibt es Wohnungen! Der Leerstand von Wohnungen im Riehmers Hofgarten, in der Kreuzbergstr. 13, Arndtstr. 13, Großbeerenstr. 17a, Müllenhoffstr.17, Mehringdamm 29, Fidicinstr.13 und weiteren sind bekannt, z. T. schon lange.

Wir fordern, geflüchtete Menschen in Mietwohnungen unterzubringen, sie zu unterstützen und begleiten und Containerlager abzubauen! Und zwar sofort — und nicht erst in 2 oder 3 Jahren.

Her mit den bezahlbaren Wohnungen für Alle!

WEM GEHÖRT KREUZBERG — Juli 2017
Presseerklärung Nachbarschaftsinitiative Weserkiez vom  05.07. Zur Räumung des Kiezladens Friedel54

Wir protestieren schärfstens gegen die Räumung und die Auslieferung unseres Kiezes an Finanzspekulation und Verdrängung durch Bezirk und Senat!

Wir widersprechen schärfstens dem Versuch der Kriminalisierung unseres gerechtfertigten friedlichen Widerstands!

Am 29. Juni 2017 protestierten viele Mitglieder unserer Initiative gegen die Räumung, die für uns steht für ein weiteres aktives Ausliefern der gewachsenen Berliner sozialen Wohn- und Lebensräume an internationale gnadenlose Finanzspekulation durch Politik, Bezirk und Senat!

„Die Häuser denen, die darin wohnen und leben!“

Wir fordern vom Bezirk Neukölln:
  • Kurzfristige Beschaffung geeigneter Ersatzräume für die Betreiber des Kiezladens Friedel54!
  • Förderung des Aufbaus weiterer neuer Kiezläden!
  • Milieuschutz auch für nachhaltige Kleingewerbe und Kulturzentren!
  • Wirkungsvolle energische aktive Maßnahmen gegen das weitere Vordringen von Finanzhaien und die fortschreitende Ausplünderung und Verdrängung der hier lebenden Bevölkerung!
  • Aktive, auch strukturell nachhaltige Unterstützung der bestehenden und sich bildenden Mieter- und Nachbarschafts-Vereinigungen! Den millionenschweren Investoren wird kostenlos u.a. die Polizei zum Schutz ihrer unsozialen Interessen angedient. Warum keine vergleichbare Förderung der bedrängten sozialen Gegenseite, z.B. kostenlose Übernahme aller Anwalts- und Gerichtskosten für von Verdrängung Betroffene u.a.m.?
Am 29. Juni wurden wir unmittelbare Zeugen des schockierenden widersprüchlichen, teils martialischen Auftretens und der teils gewalttätig-brutalen Übergriffe der Polizei gegenüber uns und anderen DemonstrantInnen, die wir friedlich und gewaltfrei blieben und uns nicht provozieren ließen.

Warum die martialische Polizeipräsenz auf den Dächern? Was will die Polizeiführung damit demonstrieren? Vor welcher scheinbar potentiellen Gefahr will die Polizeiführung „warnen“ bzw. mit solchen Provokationen erst herbeireden? Oder bereitet die Polizeiführung, wie so oft, das Feld für später auftretende Agents Provocateurs ?
Warum die gezielte Fehlmeldung der Polizei über einen unter Strom gesetzten Türknauf? Danach wurde das Verhalten der eingesetzten PolizistInnen spürbar härter! Wurde so bewusst von der Einsatzzentrale der teilweise Gewaltexzess der Polizei provoziert?
Warum diese Gewalteskalation der Polizei, z.B. mit Faustschlägen in Gesichter von bereits festgehaltenen Demonstranten?  Wir sind froh, dass sich niemand unter den DemonstrantInnen dadurch provozieren ließ!

Wir fordern von Bezirk und Senat:
  • Dringend Aufklärung, Verurteilung und Ahndung der Gewaltexzesse von Seiten der Polizei und der Provokationen der Einsatzleitung!
  • Das Angebot und die Gewährleistung kostenloser medizinischer Behandlung und Rehabilitation der von der Polizei verletzten DemonstrantInnen!
  • Die Gewährleistung, dass sich solche Exzesse und Provokationen bei zukünftigen Polizeieinsätzen nicht wiederholen!
NachbarschaftsInitiative Weserkiez
Stellungnahme der Stadtteilinitiative WEM GEHÖRT KREUZBERG zur brutalen Räumung des Kiezladens Friedel54

Am vergangenen Donnerstag, den 29.06., räumten ca. 500 Polizist*innen den Kiezladen Friedel54 in Neukölln.

Mehrere Hundertschaften waren dabei äußerst gewalttätig gegen hunderte Menschen vorgegangen, die mit Sitzblockaden diesen weiteren Akt der Verdrängung nicht hinnehmen wollten.

Gerade die Polizeieinheiten, die zwei Tage zuvor wegen Partytourismus vor dem G20 Gipfel aus Hamburg wieder nach Berlin zurückgeschickt wurden, traten ganz besonders aggressiv in vorderster Linie auf.

Die Polizei handelte unter der Verantwortung des Innensenators Geisel, also in der Verantwortung der rot-rot-grünen Landesregierung.

Die Statements dieser Regierungsparteien gegen Verdrängung und steigende Mieten vorzugehen werden erst Recht zur Farce, wenn staatlich bezahlte Schlägertruppen die Profitinteressen des Immobilienhai Pinehill S.a.r.l., einer Briefkastenfirma mit Sitz in Luxemburg — egal mit welchen Mitteln — durchsetzen.

Wir fordern die sofortige Rückgabe der geräumten Räumlichkeiten an den Kiezladen Friedel54!

Sofortiger Stopp aller Zwangsräumungen!

Wohn- und Gewerberäume vergesellschaften!
Kiezladen Friedel54 mit staatlicher Gewalt geräumt

Brutale Polizeigewalt gegen Protestierende, Presse und Abgeordnete, Verletzte und Festgenommene, Fake News der Polizei, eine reaktionäre Bezirks-Bürgermeisterin, ein abgetauchter Rot-Rot-Grüner Senat und ein staatlich zerstörter Kieztreffpunkt. Aber auch hunderte solidarische Menschen, ein neunstündiger Widerstand gegen die Zwangsräumung des Kiezladens, keine*r bleibt mit der Repression alleine, nichts ist vorbei...

ausführlicher Bericht dazu vom Bündnis Zwangsräumung verhindern
Gemeinsam gegen Zwangsräumung und den Ausverkauf der Stadt

Wir — die Stadtteilinitiative WEM GEHÖRT KREUZBERG — unterstützen den Aufruf vom Bündnis Zwangsräumung verhindern die für Dienstag 29.06.2017 um 9 Uhr geplante Zwangsräumung der Friedel54 zu blockieren.

Nach über 13 Jahren soziokultureller, politischer und unkommerzieller Arbeit soll der Kiezladen Friedel54 zwangsgeräumt werden. Dies werden wir nicht widerstandslos hinnehmen und aufgeben für kapitalistische Profitinteressen des Immobilienhai Pinehill S.a.r.l., einer Briefkastenfirma mit Sitz in Luxemburg.

Freiräume bleiben!

Solidarität mit dem Kiezladen Friedel54 — Zwangsräumung blockieren!
Fahrradtour durch Kreuzberg 61

Am Sonntag, den 11.06. radelten wir mit 50 weiteren interessierten Menschen quer durch Kreuzberg 61 und besichtigten verschiedene stadtpolitische Brennpunkte und Baustellen.

Fahrradtour1 11 06 2017
Veranstaltet wurde diese Tour vom „61er-Vernetzungstreffen“ stadtpolitischer und nachbarschaftlicher Initiativen.

Los ging es am Bockbrauerei-Gelände an der Fidicinstraße, zu den geplanten Unterkünften für geflüchtete Menschen auf dem Friedhof an der Jüteborgerstraße zur Fontanepromenade 15, einer ehemaligen Dienststelle des Reichsarbeitsamtes, in der die Zwangsarbeit für jüdische Menschen aus Berlin organisiert wurde.

Fahrradtour2 11 06 2017


Danach fuhren wir zur Schleiermacherstraße/Ecke Blücherstraße und in den Kiez Mittenwalderstraße/ Ecke Fürbringerstraße.

Dann verließen wir die Kreuzberger Seite südlich des Landwehrkanals und radelten zu den großen Neubauprojekten Blumengroßmarkt, Stresemannstraße, Postscheckamt und zum sogenannten Dragoner Areal. Diese Areale sind teilweise im Bau, teilweise aber auch erst in Planung.

Zum Schluss fuhren wir zum nördlichen Teil des Gleisdreiecks, auf der gegenüber den vielen Luxusneubauten in der Flottwellstraße in einem schmalen Streifen sechs weitere Hochhäuser geplant sind, die Teil der „Neuen Urbanen Mitte“ werden sollen.

Wir haben viele Informationen durch verschiedene an den jeweiligen Baustellen aktive Initiativen bekommen, die in der Summe uns Allen die unzähligen vielen (Neubau-)Projekte in Kreuzberg 61sichtbar gemacht haben.

Bauprojekte, die fast immer Luxuswohnungen bedeuten und somit weiter zur Aufwertung der Stadtteile führen werden.

Diese Aufwertung bedeutet nichts weiter als steigende Mieten, weitere Verwertung der Bestandswohnungen und damit zur ungebremsten Verdrängung im Stadtteil.

Trotz dieser ungeschminkten Verdrängungsrealität hat uns die Fahrradtour Spaß gemacht, die mit einem gemeinsamen Picknick im Park ihren Abschluss fand.

WEM GEHÖRT KREUZBERG — Juni 2017